Krankheiten bei Zwergkaninchen

Wie bei jedem anderen Haustier auch, ist die richtige Pflege bei einem Zwergkaninchen sehr wichtig. Wer einige Regeln einhält, kann dazu beitragen, dass sein kleiner Liebling lange gesund bleibt. Welche Impfungen vorsorglich gegen Krankheiten helfen, wie der regelmäßig durchzuführende Gesundheitscheck aussieht und was bei Zwergkaninchen typische Krankheitsanzeichen sind, erklären wir im folgenden Artikel. Außerdem gehen wir auf die bekanntesten Zwergkaninchen-Krankheiten ein und geben Tipps, was den Besuch beim Tierarzt sowie das Verabreichen von Medikamenten anbelangt.

Wie können Krankheiten verhindert werden?

Der beste Schutz vor einer Erkrankung bietet die artgerechte Unterbringung und Pflege der kleinen Nagetiere. Dazu gehört sowohl, die Tiere niemals alleine zu halten als auch, ihnen ein ausreichend großes Gehege zur Verfügung zu stellen. Über die richtige Ernährung werden die Kaninchen mit allen wichtigen Nährstoffen versorgt. Mit einer guten Hygiene kann man ebenfalls vielen Krankheiten vorbeugen. Nicht zu vergessen sind Impfungen, die gegen teilweise unheilbare Krankheiten schützen.

Natürlich kann man niemals ausschließen, dass die eigenen Tiere krank werden. Krankheiten können selbst bei den besten Haltungsbedingungen entstehen.

Welche Impfungen brauchen Zwergkaninchen?

Wer Zwergkaninchen bei sich hält, hat die Möglichkeit, diese gegen diverse Krankheiten impfen zu lassen. Empfohlen wird dies insbesondere dann, wenn die Nager im Garten oder auf dem Balkon Auslauf haben. Auch Halter, die in einer ländlichen Umgebung wohnen, sollten die empfohlenen Impfungen durchführen lassen.

Mittlerweile raten viele Tierärzte davon ab, Kaninchen bei einer reinen Wohnungshaltung in der Stadt impfen zu lassen. Immerhin geht mit jeder Impfung auch ein gewisses Risiko einher.

Es gibt die Möglichkeit, sein Zwergkaninchen gegen die unheilbare Krankheit RHD (Rabbit Haemorrhagic Disease) impfen zu lassen. Die auch als China-Seuche bekannte Krankheit kann verhindert werden, indem zunächst zwei Impfungen – die so genannte Grundimmunisierung – gegeben werden. Danach wird die Impfung jedes Jahr aufgefrischt.

Auch die Impfung gegen Myxomatose ist sehr empfehlenswert. Die Krankheit, die auch als Kaninchenpest bekannt ist, stammt aus Südamerika. Betroffen sind vor allem Wildkaninchen. Übertragen wird das Pockenvirus durch Blut saugende Insekten. Ist ein Tier an Myxomatose erkrankt, liegen seine Heilungschancen bei nur knapp 20 %. Mit zwei Impfungen kann der Tierarzt eine Grundimmunisierung herstellen. Danach sollte die Impfung jedes halbe Jahr aufgefrischt werden.

Kaninchenschnupfen entsteht insbesondere bei schlechter Haltung und äußert sich durch Schnupfen, Niesen, eine schwere Atmung, Lungen- und Ohrenentzündung sowie durch Nasenausfluss und Bronchitis. Es gibt zwar die Möglichkeit, Kaninchenschnupfen mit Antibiotika behandeln zu lassen. Dies führt aber nur selten zum Erfolg. Deswegen ist eine Impfung unbedingt anzuraten. Wie bei anderen Impfungen auch, wird zunächst mit zwei Spritzen eine Grundimmunisierung hergestellt. Die Auffrischung sollte jährlich erfolgen.

Wichtig: Der Gesundheitscheck

In vielen Fällen stehen die Heilungschancen besser, wenn Krankheiten früh erkannt und behandelt werden. Dies geht aber nur dann, wenn man seine Tiere jeden Tag genau beobachtet. Mit einem täglichen Gesundheitscheck können erste Symptome erkannt und gegengesteuert werden. Der wöchentliche Gesundheitscheck sollte noch ausführlicher ausfallen.

Beim täglichen Gesundheitscheck sollte Folgendes überprüft werden:

  • Zeigen alle Zwergkaninchen Interesse an ihrer Umgebung und sind munter?
  • Kommt jeder zum Fressnapf?
  • Frisst jedes Kaninchen in der gewohnten Menge und Geschwindigkeit?
  • Bewegen sich die Zwergkaninchen normal?
  • Ist der Kot normal?

Beim ausführlicheren wöchentlichen Gesundheitscheck ist eine genauere Untersuchung notwendig. Am besten, man nimmt die Kaninchen einzelnen aus ihrem Gehege und überprüft sie.

Gewicht

Das Gewicht ist ein gutes Kriterium für eventuelle Krankheiten. Sowohl eine schnelle Gewichtszunahme als auch eine Gewichtsabnahme kann auf eine Erkrankung hindeuten. Halten die Tiere nicht still, wiegt man zunächst die Transportbox alleine. Anschließend wiegt man die Box mit dem Tier drin und zieht anschließend das Gewicht der Transportbox vom Ergebnis ab.

Geschlechtskontrolle

Auch das Geschlecht der Tiere muss kontrolliert und bei entsprechenden Verschmutzungen vorsichtig gereinigt werden.

Gesicht

Als pflichtbewusster Halter kontrolliert man nicht nur die Ohren seiner Zwergkaninchen, sondern schaut diesen auch in den Mund, zwischen die Zähne und wirft einen Blick in ihre Augen.

Fell

Das Fell sollte weder verklebt noch stumpf sein. Darüber hinaus sollte ein genauer Blick auf den After geworfen werden.

Abtasten

Durch das Abtasten des Kaninchens können Verdickungen, Tumore und Aufgasungen erkannt werden.

Krallenpflege

Bei Bedarf müssen die Krallen mit einer speziellen Krallenschere gekürzt werden. Nicht weniger wichtig ist, die Fußballen auf Entzündungen zu untersuchen.

Typische Krankheitsanzeichen

Der Gesundheitscheck gibt bereits erste Anzeichen für eventuelle Krankheiten. Natürlich muss man die Ergebnisse auch entsprechend deuten können. Nachfolgend haben wir die häufigsten Krankheitsanzeichen aufgelistet und zeigen, welche Krankheiten sich dahinter verbergen können.

Gewichtsverlust

Pro Woche sollten die Gewichtsschwankungen nicht mehr als 50-100 g betragen. Nimmt ein Tier innerhalb von ein bis zwei Tagen 50 g ab, deutet dies meistens auf großen Stress oder auf eine Krankheit hin.

Schorfige und kahle Stellen im Fell

Wenn sich die neuen Mitbewohner verstärkt kratzen und kahle oder schorfige Stellen im Fell haben, liegt der Verdacht auf einen Parasitenbefall nahe. Darüber hinaus deutet auch stumpfes und glanzloses Fell auf eine ernsthafte Erkrankung hin.

Zahnprobleme

Die Vorderseite der Schneidezähne sollte stets cremeweiß bis hellgelb sein. Aber nicht nur die Zahnfarbe sollte kontrolliert werden. Wichtig ist auch, dass die Zähne nicht zu lang oder abgebrochen sind. Ansonsten kann es passieren, dass die Zwergkaninchen nicht mehr richtig fressen können. In diesem Fall muss sofort ein Tierarzt aufgesucht werden.

Veränderungen an den Augen

Ernsthaft Gedanken machen sollte man sich bei verklebten sowie trüben, grauen, verschlossenen und verdickten Augen. Als Erkrankungen infrage kommen eine Bindehautentzündung, aber auch Verletzungen der Augen und Zahnprobleme.

Verklebte und schuppige Ohren

Infektionen im Innenohr zeigen sich meistens durch verklebte Ohren. Dahingegen sind verklebte und schuppige Ohren ein Indiz für einen Parasitenbefall oder Pilzbefall. Durch einen Besuch beim Tierarzt kann die Ursache für die Beschwerden geklärt werden.

Starke Flankenatmung, verklebten Nase

Bei diesen Krankheitsanzeichen sollte das Zwergkaninchen sofort einem Tierarzt vorgestellt werden. Dieser kann die Ursache der Atemwegsprobleme abklären.

Verstopfung

Sondert ein Kaninchen über einen längeren Zeitraum keinen Kot mehr ab, ist vermutlich eine Verstopfung die Ursache hierfür.

Schmutziger After

Im Regelfall haben Zwergkaninchen mit einem schmutzigen After Darmprobleme.

Durchfall

Durchfall ist ein ernst zu nehmendes Symptom, deutet er doch auf schwerwiegende Infektionen und auf Colibakterien, Kokzidien und Spulwürmer hin.

Ausfluss aus der Scheide

Scheidenausfluss geht häufig mit Aktivitätsverlust und einer Druckempfindlichkeit am Bauch einher. Meistens fressen betroffene Tiere auch nichts mehr. Wichtig ist, umgehend einen Tierarzt aufzusuchen und abzuklären, ob es sich um eine Gebärmutterentzündung handelt.

Harter Bauch

In Kombination mit Aktivitätsverlust deutet ein angespannter Bauch auf eine Fehlgärung im Darm hin. Es kommt aber auch eine Nierenerkrankung infrage.

Blut im Urin

Blut im Urin und Schmerzen beim Wasserlassen lassen auf eine Blasenerkrankung sowie auf einen Blasenstein schließen.

Verdickungen

Stellt man beim Gesundheitscheck spürbare Verdickungen fest, sollte man sofort zum Tierarzt gehen. In den meisten Fällen handelt es sich um einen Tumor. Wird er rechtzeitig erkannt, kann der Tierarzt ihn bei einer Operation entfernen.

Ebenfalls ernst nehmen und so schnell wie möglich einen Tierarzt aufsuchen sollten Zwergkaninchen-Halter bei folgenden Symptomen: Aktivitätsverlust, Humpeln und Umfallen beim Laufen, Wunden, Schonhaltung der Pfote, Fressunlust, Niesen, Kratzen und Fellverlust

Die bekanntesten Krankheiten bei Zwergkaninchen

Es gibt viele Krankheiten, von denen Zwergkaninchen befallen werden können. Halter sollten bei Symptomen in jedem Fall einen Tierarzt aufsuchen, um die genaue Ursache klären und eine Behandlung einleiten zu können. Wichtig ist, sich an einen Tierarzt zu wenden, der sich auf Kleintiere und Nagetiere spezialisiert hat. Nachfolgend stellen wir typischer Zwergkaninchen-Krankheiten vor.

Durchfall

Recht häufig tritt Durchfall bei einer zu schnellen Futterumstellung auf. Gerade dann, wenn man die Tiere aus der Zoohandlung geholt hat und diese dort nur Trockenfutter gewohnt waren, kann es zu Verdauungsproblemen kommen. Milderung verschafft man, indem man die Futterumstellung langsamer bewältigt und lauwarmen Kamillentee zum Trinken anbietet.

Verstopfung

Auch von Verstopfung werden viele Zwergkaninchen nicht verschont. Zunächst einmal sollte man das Trockenfutter absetzen und seinem kleinen Liebling vermehrt Heu, Gemüse und etwas Obst anbieten. Ebenso wichtig: eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr, am besten in Form von Kamillentee. Auch das Massieren des Bauches kann helfen. Halten die Beschwerden länger als einen Tag an, sollte man einen Tierarzt aufsuchen.

Räude und Milben

Kratzt sich ein Kaninchen häufig und hat kahle Stellen, die eine kalkige Schicht aufweisen, ist ein Befall mit Räude oder Milben wahrscheinlich. Behandelt werden die betroffenen Tiere beim Tierarzt mit speziellen Medikamenten gegen Milbenbefall.

Blasenentzündung

Blasenentzündungen sind sehr unangenehm – nicht nur für uns Menschen. Ein sicheres Anzeichen für eine Blasenentzündung ist Blut im Urin. Der Tierarzt kann Antibiotika gegen die Entzündung verabreichen. Wird diese Krankheit nicht behandelt, kann sie entweder chronisch werden oder sich zu einer Blasen- und Nierensteinbildung entwickeln.

Augenentzündungen

Bei Zwergkaninchen, die ein Auge zukneifen oder bei denen dieses tränt oder vereitert ist, kann man das Auge vorsichtig reinigen. Hierfür nimmt man einen fusselfreien Lappen, den man in Kamillentee tränkt, und versucht vorsichtig, Schleim oder Eiter zu entfernen. Bei einer leichten Augenentzündung hilft auch Bepanthen-Augensalbe. Tritt nach drei Tagen keine Besserung ein, sollte man unverzüglich den Tierarzt aufsuchen.

Kaninchenpest

Myxomatose bzw. Kaninchenpest wird durch Viren über Mücken und Fliegen übertragen. Deswegen erkranken auch häufig Zwergkaninchen daran, die im Freien gehalten werden oder in einer ländlichen Umgebung aufwachsen. Nach einer Inkubationszeit von einer Woche zeigt sich Kaninchenpest durch eine geschwollene, eitrige Nase, einen geschwollenen Mund und geschwollene Augen. Je weiter die Krankheit fortschreitet, umso schlechter bekommen die Tiere Luft. Zudem haben sie Schmerzen beim Fressen. Myxomatose ist nicht heilbar, so dass die Tiere nach 2-3 Wochen sterben. Deswegen ist es wichtig, seine kleinen Lieblinge dagegen impfen zu lassen.

China-Seuche

RHD bzw. China-Seuche wird ebenfalls durch Viren übertragen. Gefährlich werden kann diese Krankheit nur Kaninchen, die älter als zwei Monate sind. Die Inkubationszeit liegt bei 2-3 Tagen. Auch diese Erkrankung ist unheilbar, doch es gibt einen Impfschutz dagegen.

Schnupfen

Schnupfen kann Zwergkaninchen sehr schnell gefährlich werden. Obwohl die betroffenen Nager beim Tierarzt mit Antibiotika behandelt werden, können einige Erreger in den Nasennebenhöhlen überleben, so dass die Krankheit nach kurzer Zeit erneut ausbricht. Bei Schnupfen müssen sofort die gesunden von den kranken Tieren getrennt werden. Bleibt die Krankheit unbehandelt, kann es zu einer Lungenentzündung – im schlimmsten Fall sogar zum Tod des Tieres – kommen.

Abszesse

Meistens fallen einem Abszesse beim gründlichen Gesundheitscheck auf. Sie entstehen durch Verletzungen und zeigen sich durch große Beulen, in denen Eiter sitzt. Tiere, die einen Abszess haben, müssen unverzüglich dem Tierarzt vorgestellt werden. Dieser entscheidet, ob der Abszesse gespalten wird oder direkt in einer Operation entfernt werden muss.

Zu lange Zähne

Normalerweise nutzen sich die Zähne von Zwergkaninchen von ganz alleine ab – vorausgesetzt, sie finden in ihrem Gehege gutes Heu sowie Zweige und Äste. Wenn dies nicht der Fall ist, kann es zu überlangen Zähnen kommen. Dem ungehinderten Wachstum der Schneidezähne kann nur bei einem Tierarzt Einhalt geboten werden, indem dieser die Zähne abschneidet.

Hitzschlag

Im Sommer ist Vorsicht geboten, denn dann ist das Risiko, dass Zwergkaninchen einen Hitzschlag bekommen, besonders hoch. Sofern ein Tier vollkommen teilnahmslos auf der Seite liegt, eine schnelle flache Atmung hat und einen schnellen und schwach fühlbaren Puls, müssen umgehend Gegenmaßnahmen ergriffen werden. Um seinem kleinen Liebling Milderung zu verschaffen, sollte man ihn in ein kühles, feuchtes Handtuch wickeln und für genügend Flüssigkeitszufuhr sorgen. Außerdem kann es helfen, das kleine Füßchen in kühles Wasser zu tauchen. Danach sollte man unverzüglich zum Tierarzt fahren.

Der Gang zum Tierarzt

Manchmal lässt sich der Gang zum Tierarzt nicht vermeiden. Kein Mensch geht gern zum Arzt – das ist bei Tieren nicht anders. Deswegen sollte man versuchen, seinen kleinen Lieblingen den Gang zum Tierarzt so einfach wie möglich zu machen. Für den Ernstfall sollte bereits eine artgerechte Transportbox bereit stehen. Diese wird mit Zeitungspapier, einer dünnen Lage Streu, Heu und Futter sowie Wasser ausgestattet. Wer im Sommer mit seinen Lieblingen zum Tierarzt geht, sollte in der Transportbox für ausreichend Kühlung sorgen. Im Winter ist wichtig, darauf zu achten, dass die Kaninchen nicht verkühlen.

Für einen reibungslosen Ablauf beim Tierarzt sorgt man, indem man sich vorher wichtige Informationen, die zur Diagnosestellung gebraucht werden, notiert. Das sind:

  • Alter und Geschlecht des erkrankten Tieres
  • auffällige Symptome
  • bereits durchgeführte Therapiemaßnahmen
  • spezielle Ereignisse, die mit den Symptomen in Verbindung gebracht werden könnten

Tipps und Tricks beim Verabreichen von Medikamenten

Wenn der Tierarzt nicht direkt Maßnahmen durchführen kann, führt meistens kein Weg daran vorbei, den kleinen Nagern zuhause Medikamente zu verabreichen. Meistens wehren sich diese jedoch vehement gegen Medikamente, so dass man einige Tricks anwenden muss.

Sollen Tropfen, Pulver und Pasten verabreicht werden, tut man dies am besten mit einem Klecks Saft. Man kann sie – ebenso wie zuvor zerriebene Tabletten – auch mit Früchtemus anbieten. Pulver und Tropfen können auch auf einem Stück Gurke oder anderem Gemüse, das das Tier gerne isst, angeboten werden. Tabletten lassen sich prima in Wasser, Tee oder Saft auflösen. Hilfreich ist es auch, Medikamente mit einer nadellosen Spritze direkt in das Mäulchen zu geben. Die Spritzen kann man beim Tierarzt bekommen.